Unterstützung für schwerkranke Kinder beim Lernen: Avatare im Unterricht
Eltern hatten sich an die Bürgerbeauftragte gewandt und die Einsatzmöglichkeiten von sog. Avataren im Schulalltag erfragt.
Lösungsansatz und Ergebnis:
Diese Thematik war auch schon Gegenstand einer Kleinen Anfrage im Thüringer Landtag. Das zuständige Fachministerium arbeitete der Bürgerbeauftragten eine Stellungnahme zu der Frage zu.
Dieser zufolge diene der Einsatz von Avataren an Schulen in Thüringen vor allem dazu, schwer erkrankten Kindern die kontinuierliche Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen und ihren schulischen sowie sozialen Anschluss zu sichern. Zum Einsatz kämen die Avatare insbesondere dann, wenn Schülerinnen und Schüler aus gesundheitlichen Gründen über einen längeren Zeitraum nicht physisch am Unterricht teilnehmen können, etwa im Anschluss an eine Krebstherapie oder bei anderen schweren, langfristigen Erkrankungen. Ziel sei es, Unterrichtsteilnahme auch während längerer Abwesenheit vom Schulgebäude zu gewährleisten, ohne dass das Kind isoliert wird oder den Kontakt zur Klasse verliert.
Der Avatar übernehme dabei stellvertretend den Platz des erkrankten Kindes im Klassenraum und könne auch bei schulischen Aktivitäten außerhalb des Unterrichtsraums, etwa auf dem Schulhof, eingesetzt werden. Über eine App auf einem Tablet oder Smartphone könne das Kind live hören, sprechen und so aktiv am Unterrichtsgeschehen teilnehmen. Gleichzeitig sei technisch vorgesehen, dass das Kind selbst für Mitschülerinnen und Mitschüler nicht sichtbar sei, um seine Privatsphäre zu schützen. Der Avatar fungiere somit als Kommunikationsschnittstelle, nicht als vollständiger digitaler Ersatz des Schulbesuchs. Der Einsatz der Avatare, so das Ministerium ausgangs seiner Stellungnahme, erfolge nicht im landesweiten, flächendeckenden Einsatz, sondern bedarfsorientiert im Rahmen einzelner Modellprojekte entlang der Ziele, Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten vor Ort bzw. in der Kommune und in Absprache mit dem Schulträger.
Nach Kenntnis der Bürgerbeauftragten hat die „Elterninitiative für krebskranke Kinder Jena e.V.“ mit Hilfe der Techniker-Krankenkasse einen solchen Avatar angeschafft. In einem Interview (https://www.tk.de/presse/themen/digitale-gesundheit/digitaler-fortschritt/avatar-von-heilpaedagogin-erklaert-2134462) beschreibt eine im Verein engagierte Heilpädagogin, was der „technische Stellvertreter“ auch im sozial-emotionalen Kontext bewirkt, indem er ermöglicht, dass kranke Kinder weiter am normalen Schulalltag teilnehmen und ihre Freunde sehen können. „Das gibt ihnen ein Stück Normalität oder wenigstens die Chance, die Zeit zu überbrücken, in der sie nicht in die Schule können. Die sozialen Kontakte können so viel besser gehalten werden. Durch den Avatar ist das Kind gefühlt physisch in der Klasse mit dabei. Es kann Fragen stellen, Antworten geben und an einer Klassenarbeit teilnehmen. Klassenkameraden unterhalten sich auch in den Pausen mit ihrem Mitschüler oder nehmen seinen Roboter-Stellvertreter mit auf die Hofpause. Über den Avatar können die Kinder sogar bei einer Geburtstagsfeier dabei sein.“
Die Erfahrungen einer Mutter, deren erkrankter Sohn mittels eines Avatars weiter am Unterricht teilnimmt, können unter https://www.tk.de/presse/themen/digitale-gesundheit/digitaler-fortschritt/erfahrungen-mit-einem-schulavatar-2134474 nachgelesen werden.
Stand: 2026




